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RWE Innogy baut gigantische Holzpelletanlage in den USA

Holzpellets - Bild: Fotolia

Essen (RWE Innogy/Strom-Prinz.de) – RWE Innogy kündigte gestern den Bau einer Produktionsanlage zur Herstellung von Pellets im Süden des US-Bundesstaates Georgia an. Mit ihrer jährlichen Erzeugungskapazität von 750.000 Tonnen sprengt die Anlage alle Dimensionen bisheriger Pellet-Anlagen und wird das mit Abstand größte Pelletwerk der Welt.
Zum Vergleich: die rund 70 Pellets-produzierenden Unternehmen in Deutschland hatten 2009 eine Produktionskapazität von insgesamt rund 2,5 Mio. Tonnen. Sobald das Werk in Georgia seine Kapazitäten voll ausschöpft, könnte man mit den produzierten Pellets mehr als die Hälfte des deutschen Pellets-Verbrauchs von 1,6 Mio. Tonnen in 2009 decken. Die jedoch werden heute im Wesentlichen in Privathaushalten verfeuert. RWE Innogy will die Pellets in den RWE-Heizkraftwerken einsetzen.
Dr. Leonhard Birnbaum, Mitglied des Vorstandes der RWE AG: „Mit dieser Investition geht RWE einen strategisch wichtigen Schritt zur Sicherung der Rohstoffbasis für den stetig wachsenden Biomasse-Markt in Europa. Denn ohne Biomasse werden wir die CO2-Minderungsziele in Deutschland und Europa nicht erreichen können. Der europäische Holzmarkt allein wird den Bedarf in diesem stark wachsenden Segment jedoch nicht decken können.“


Frischholz zu Pellets

Anders als in Deutschland, wo die Haupt-Rohstoffgrundlage für die Pellet-Produktion mit einem Anteil von rd. 70 Prozent Sägeresthölzer wie z.B. Hobelspäne oder Sägemehl verwendet werden, soll das US-amerikanische Pellet-Werk mit Frischholz beliefert werden. Für die Erzeugung von 750.000 Tonnen Pellets würden jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Frischholz benötigt. Da sich im waldreichen Georgia in den vergangenen Jahren zahlreiche Papier- und Zellstoffunternehmen zurückgezogen und die Holznachfrage reduziert haben, liegt der Holzzuwachs in Georgia weit über dem Verbrauch. Rund zwei Drittel der Fläche von Georgia ist bewaldet überwiegend mit kommerziell genutzten Holzplantagen. Großer Holzüberschuss und sinkende Nachfrage sorgen für wettbewerbsfähige Preise. Aus Sicht von RWE Innogy verfügt Georgia über das beste Preis-/Leistungsverhältnis aller verfügbaren Rohstoffregionen.

In USA produziert, in Europa verfeuert

Die Pellets sollen zunächst in den bestehenden Kraftwerken der Amercentrale in den Niederlanden verfeuert werden. Bereits heute wird doch Steinkohle und Biomasse im Verhältnis 70:30 verfeuert. Das beträchtliche Biomasse-Volumen aus Georgia soll dazu beitragen, dieses sogenannte Cofiring mittelfristig auf bis zu 50 Prozent auszuweiten. Die CO2-Vermeidung wird dementsprechend in gleicher Höhe liegen. Die beiden Kraftwerksblöcke gehören zu dem Ende September letzten Jahres von der RWE AG übernommenen niederländischen Versorger Essent N.V. Insgesamt beträgt die Kapazität der beiden Blockheizkraftwerke 1.245 MW an elektrischer, sowie 600 MW an thermischer Leistung. Sie decken den Stromverbrauch von umgerechnet drei Millionen Haushalten. Der Einsatz der Biomasse-Pellets soll in den kommenden Jahren sowohl auf weitere reine Biomasseanlagen als auch auf konventionelle Kraftwerksstandorte in den Niederlanden (z. B. das im Bau befindliche Kraftwerk Eemshaven), Deutschland, Italien und Großbritannien ausgeweitet werden.

Transport quer über den Atlantik

Die Pellets werden per Bahn zum Hafen von Savannah (Georgia) transportiert und von dort aus nach Europa verschifft. Dazu wird ein langfristiger Transportvertrag mit einer der weltweit größten Reedereien im Trockengutsegment, Dampskibselskabet NORDEN A/S, Dänemark, geschlossen.

Von Georgia in die Kraftwerke Europas - Bild: RWE Innogy

Der Transportweg von rund 10.000 km von Savannah bis z.B. Rotterdam scheint auf den ersten Blick in höchstem Maße unökologisch. Verglichen mit den aktuellen Transportwegen unserer Energierohstoffe sind solche Strecken allerdings nicht ungewöhnlich. Standard-Pellets besitzen einen Heizwert von ca. 4,9 kWh/kg. Zwei Kilogramm Pellets ersetzen in etwa einen Liter Heizöl. Allerdings besitzen Pellets in etwa das dreifache Volumen.

120 Mio. € Invest

Die Inbetriebnahme des Pellet-Werkes ist für 2011 geplant. Das gesamte Investitionsvolumen liegt bei rund 120 Millionen Euro. Der erste Spatenstich ist für den April 2010 geplant, bereits nur rund 14 Monate später sollen alle Anlagen in Betrieb sein. Die vollständige Leistung ist für Juni 2012 vorgesehen. Dr. Hans Bünting, Mitglied der Geschäftsführung der RWE Innogy GmbH erklärte: „Durch diese neue Anlage sichert sich RWE die Lieferung von Biomasse zu stabilen und wettbewerbsfähigen Preisen. Denn Holz ist aufgrund der Überschusssituation in den USA wesentlich günstiger als in Europa mit seinen begrenzten Waldflächen. Zudem handelt es sich mit Georgia um eine Region, in der die Flächen nachhaltig bewirtschaftet werden und die daher unseren strengen Kriterien zur Erzeugung von Biomasse voll gerecht wird.“ Die 750.000 Tonnen Jahresproduktion entsprechen einer thermischen Energie von rund 3,7 Terawattstunden.

Heute Pellets – Morgen Bio-Kohle

Gegenüber Hackschnitzeln zeichnen sie sich durch eine verbesserte Handhabung und Verbrennung aus. Die Energiedichte gegenüber Holzschnitzeln ist vierfach höher.

Von Holz-Pellets zu Bio-Kohle - Bild: RWE Innogy

In den nächsten Jahren will RWE Innogy auf getrocknete Pellets umsteigen. Die Eigenschaften dieser farblich dunkleren Pellets sind noch homogener, sie eignen sich sogar zur Vergasung. Langfristig geht die Reise hin zu sogenannter Bio-Kohle. Die kleinen, fast schwarzen Pellets sind ideal zur Vergasung geeignet und besitzen im Vergleich zu Holzschnitzeln eine mehr als 16-fache Energiedichte.

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