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Repowering-Desaster: Das verschenkte Strom-Potenzial

Bonn (Strom-Prinz.de) – Wenn es um aus Windenergie geht, verfahren deutsche Kommunen und Bürgervereinigungen gerne nach dem Sankt-Florian-Prinzip: “Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an!“. Die beste Windkraftanlage ist die, die nicht vor der eigenen Haustüre steht.

Deutschland läßt sich abhängen

Der Neubau von Windenergieanlagen geht in Deutschland tendenziell schon seit 2003 zurück. Mit 866 neuen Anlagen wurden in Deutschland 2008 sogar 17 Anlagen weniger aufgestellt als im Vorjahr. Die Branche ist beim Wachstum auf dem Niveau der späten 90er-Jahre angelangt, wie aus neuesten Zahlen des Deutschen Windenergie-Instituts hervorgeht. Zum Vergleich: Die USA installierten mit rund 9.000 MW über fünfmal mehr Leistung als Deutschland (1.445 MW) und behaupteten zum vierten Mal in Folge Platz 1 der weltweit wachstumsstärksten Windenergiemärkte. Bis 2010 werden die Vereinigten Staaten Deutschland als größten Energieerzeuger aus Wind überholen, wenn sie die Ausbaugeschwindigkeit beibehalten.

Repowering

Da im deutschen Binnenland neue Standorte kaum noch genehmigungsfähig sind, hofft die Windenergiebranche auf den Ersatz der Altanlagen. In Deutschland stehen rund 3.000 Windenergieanlagen der ersten Generation, die oft weniger als 400 kW an Leistung bringen. Beim sog. Repowering werden die alten Windmühlen gegen Modelle der neuesten Generation mit 3 MW und mehr ausgetauscht. Dieser Umstieg ist vergleichbar mit einem Wechsel von einem Mofa auf ein Motorrad. Ziel ist eine bessere Ausnutzung der verfügbaren Standorte, die Erhöhung der installierten Leistung bei gleichzeitiger Reduktion der Anzahl der Anlagen. Zudem laufen die neuen Turbinen mit einer niedrigen Drehzahl, das beruhigt das Landschaftsbild und vermindert die Geräuschentwicklung.

Holländer und Dänen machen es vor

Aktuell wird im im größten Windpark der Niederlande Repowering im großen Stil durchgeführt. Die 134 Anlagen des Windparks Eemshaven werden durch 52 Turbinen des deutschen Marktführers Enercon ausgetauscht. Der Effekt ist gigantisch: obwohl die Anlagenzahl fast gedrittelt wird, steigt die installierte Leistung nahezu um das Vierfache. Der jährliche Ertrag steigt von 80 auf 470 Millionen Kilowattstunden!
Während in Dänemark – das heute schon 20 Prozent seines Strombedarfs aus Windenergie deckt – bereits das zweite groß angelegte Repowering-Programm läuft, spielt Repowering in Deutschland praktisch noch keine Rolle.

Restriktive Regelungen

Hindernisse für das Repowering alter Windkraftanlagen sind derzeit die rigiden Höhen- und Abstands-Empfehlungen insbesondere der Küstenländer. Beispiele:
Niedersachsen: ein neues Windrad muss 1.000 Meter Abstand vom nächsten Wohngebäude einhalten; 1995 waren in der Regel nur 400-500 Meter erforderlich.
Schleswig-Holstein: ab 100 Meter Gesamthöhe mindestens die 5-fache Anlagenhöhe vom nächsten Dorf entfernt, die 3,5-fache vom nächsten Haus.
Mecklenburg-Vorpommern: Mindestabstand 800 Meter zum nächsten Haus und 1.000 Meter zur nächsten Siedlung.
Höhenbegrenzungen sind von den Gemeinden abhängig, liegen aber in der Regel bei 100 Metern.

Potenzialvernichter

Die Höhenbegrenzung verhindert den Bau der Großanlagen der Multi-Megawatt-Klasse und mindert die Leistung einer Maschine. Erst in der Höhe herrschen die Windverhältnisse, die eine große Anlage braucht, um auf Touren zu kommen. Die Beeinträchtigungen durch Höhen- und Abstandslimits sind gewaltig, wie eine Studie der TU Berlin ergab. In einem untersuchten Windpark in Schleswig-Holstein würde Repowering die bestehende Leistung um das 4,3-fache steigern, obwohl anstatt wie bisher 13 nur mehr sechs große Windkraftanlagen zum Einsatz kämen. Abstands- und Höhenbegrenzungen lassen eine Steigerung der Effizienz jedoch nicht zu. Nach Einhaltung aller Regelungen lässt sich die Leistung nur um den Faktor 1,7 steigern.

Verdreifachung möglich

Nach der Statistik des Deutschen Windenergie Instituts (DEWI) können im durchschnittlichen Windjahr etwa 30 Mrd. kWh produziert werden. Bei einem optimierten Repowering ließe sich auf den gleichen Flächen etwa der dreifache Stromertrag – 90 Mrd. kWh bzw. über 15 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland – erzeugen. Bei Berücksichtigung der geltenden Abstandsregelungen und Höhenbegrenzungen könnte dagegen allenfalls eine Steigerung um 50 Prozent auf 45 Mrd. kWh erreicht werden. Durch Abstandsregelungen und Höhenbegrenzungen wird also ein Energiepotenzial von mindestens 45 Mrd. kWh verschenkt.

Bundesregierung schuldlos

Die Bundesregierung trifft am deutschen Repowering-Desaster keine Schuld. Die zum 1. Januar wirksame Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) sieht ausdrücklich einen Repowering-Bonus von 0,5 ct/kWh vor. Der schwarze Peter liegt hier eindeutig bei den Ministerien der Länder, die über ihre Abstands- und Höhenempfehlungen – an denen sich die Kommunen orientieren – ein effizientes Repowering verhindern. Aber selbst wenn hier die Empfehlungen gelockert würden, bliebe immer noch der Widerstand der Bürgervereinigungen. Hier greift hoffentlich das Argument der verminderten Anlagenzahl. Manchmal ist weniger wirklich mehr.

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